Auszug/Berufseinstieg

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    • Auszug/Berufseinstieg

      Hallo,

      ich heiße Timo und bin 31 Jahre alt. Letztes Jahr habe ich meinen Masterabschluß in BWL gemacht und suche seitdem nach Jobs.
      Derzeit wohne ich noch bei meinen Eltern, würde aber sehr gerne in eine eigene Wohnung ziehen. Da ich in einer sehr ländlichen Gegend wohne, sind Assistenz und Pflege kaum noch gewährleistet. Deshalb, und vor allem aufgrund meiner beruflichen Aussichten, möchte ich sehr gerne in einer Großstadt leben. Die nächste größere Stadt wäre Hamburg, allerdings bin ich mir nicht mehr sicher, ob Hamburg wirklich der richtige Ort für mich ist. So denke ich manchmal darüber nach, Norddeutschland zu verlassen. Dazu kommt, dass ich gerne eine Spinraza-Therapie machen möchte. Das ist zur Zeit in HH wohl nicht möglich.

      Nach Berlin oder Köln möchte ich eigentlich eher nicht. Deshalb wäre momentan München mein Favorit. Auch weil wohl regelmäßig bei Untersuchungen rauskommt, dass dies die barrierefreiste Großstadt in Deutschland sein soll und ich vermute, dass hier meine Aussichten, Arbeit zu finden deutlich besser aussähen.

      Das Thema Arbeit ist ebenfalls so ein Problem. Seit etwa einem Jahr suche ich nach Einstiegspositionen im Marketing. Bisher leider ohne Erfolg. Zwar ist mein Abschluß eigentlich sehr gut. Allerdings fehlt mir Berufserfahrung, ich habe die Regelstudienzeit deutlich überschritten und ich bin über 30. Deswegen interessiere ich mich derzeit auch für Möglichkeiten zum Quereinstieg im öffentlichen Dienst.
      Zunächst hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mich zu promovieren, mich dann aber doch dagegen entschieden, weil man das eigentlich in meiner Disziplin (Marketing und Medienmanagement) nicht wirklich braucht und ich auch Angst habe, überqualifiziert zu sein.

      Aber nun würde ich gerne hören, wie eure Erfahrungen aussehen, auch was das Berufsleben angeht, aber vor Allem der Auszug in eine eigene Wohnung und das Leben in Großstädten wie Hamburg, Berlin, München...
      Und wie habt ihr das geregelt? Mit dem persönlichen Budget im Arbeitgebermodell? Oder doch lieber als Auftraggeber? Beides hat ja Vor- und Nachteile.

      Liebe Grüße und vielen Dank im Voraus
      Timo
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    • Hallo,

      ich begrüße dich herzlich in diesem Forum. Nun werde ich mich mal bemühen und deine Fragen versuchen zu beantworten.

      Timotheus schrieb:

      Nach Berlin oder Köln möchte ich eigentlich eher nicht. Deshalb wäre momentan München mein Favorit. Auch weil wohl regelmäßig bei Untersuchungen rauskommt, dass dies die barrierefreiste Großstadt in Deutschland sein soll und ich vermute, dass hier meine Aussichten, Arbeit zu finden deutlich besser aussähen.
      Also nach München zu ziehen ist meiner Meinung nach keine gute Idee, auch wenn München an sich sehr schön ist, aber auch schweinisch teuer. Sicher sind Großstädte generell teuer, aber München doch um einiges mehr. Hamburg, Heidelberg, Düsseldorf das sind so meine Favoriten. In diesen Städten sollte es auch nicht schwer sein Assistenz bewilligt zu bekommen und zu finden.
      Was das Finden von Arbeit angeht, gibt's auch in Großstädten keine Garantie fündig zu werden.
      Nach meiner Ausbildung in einem Berufsbildungswerk in der Nähe von Heidelberg, zog ich wieder nach Hause in die Nähe von Celle und hatte das Glück dort ehrenamtlich in einem Verein zur Förderung Körperbehinderter tätig zu sein, die mich nach der Ausbildung mit Hilfe der Agentur für Arbeit, einstellten. Das Arbeitsamt übernahm den Großteil meiner Lohnkosten für 2 Jahre. Leider war dann nach den 2 Jahren diese Förderung nicht mehr möglich und der Verein konnte es sich finanziell auch nicht leisten mich weiter zu beschäftigen, weshalb ich dadurch arbeitslos wurde. Ich war dann auch schon 28 Jahre alt und wollte eigentlich ebenfalls nicht länger Zuhause wohnen. Nur wohin? Damals, es war das Jahr 2004, kannte ich die Persönliche Assistenz noch nicht und es blieb mir somit nichts anderes möglich, als entweder bei meinen Eltern auf dem Dorf zu bleiben oder mich mit einem Wohnheim auseinanderzusetzen. Glücklicherweise lernte ich aber bereits 2 Jahre zuvor meinen Freund kennen, der in Düsseldorf lebte. Mir kam der Gedanke zu ihm nach Düsseldorf zu ziehen. Nur wie und wohin, denn er war selbst Student und wohnte noch bei seinen Eltern. Er kam alle 2 Wochen zum Wochenende zu mir und an einem Wochenende erzählte er mir von einem Wohnhaus, in dem Menschen mit Behinderungen lebten, aber in abgeschlossenen eigenen Wohnungen mit richtigem Mietvertrag und jeder zahlte seine Miete. Die Wohnungen hatten alle eine Rufanlage, denn im Erdgeschoss war ein Pflegedienst. Genial, dachte ich, da willst du hin. Ich bewarb mich um eine Einraumwohnung und bekam sie auch. So zog ich 2004, nach beenden meines Arbeitsverhältnisses, nach Düsseldorf in meine 1. eigene kleine Wohnung. Natürlich auch mit dem Gedanken vielleicht wieder Arbeit zu finden. Leider fand ich nur einen Mini-Job, den ich von Zuhause ausüben konnte. Diesen Job machte ich nur wenige Monate, denn meinem Chef war der Aufwand zu groß.
      2007 zogen mein Freund und nach Saarbrücken, denn er fand nach seinem Metallurgie-Studium im Saarland einen Arbeitsplatz. Ich blieb weiterhin arbeitslos, trotz Praktikantenstelle. 2011 kauften wir uns ein Haus und hatten 3 Monate nach unserem Einzug einen großen Wasserschaden, der uns für 5 Monate den Auszug in eine Ferienwohnung bescherte. Dort hatt wir jedoch weder Telefon noch Internet, weshalb ich tagsüber aufgeschmissen gewesen wäre, schließlich hätte ich keine Hilfe rufen können. Mein Mann, zwischenzeitlich waren wir verheiratet, fragte bei seinem Arbeitgeber nach, ob ich während dieser Zeit mitkommen könnte. Die Firma ermöglichte mir ein Praktikum und schon nach 1 Tag, bot der Arbeitsdirektor mir einen Arbeitsplatz an.
      Seit 2012 bin ich nun auch in dieser Firma angestellt. Mittlerweile sogar unbefristet.

      Du könntest dich in verschiedenen Städten bewerben, evtl. zunächst als Praktikant und kannst dich dann beweisen. Weise bei deinen Bewerbungen auf eine Arbeitsstelle darauf hin, dass die Agentur für Arbeit bei Einstellung finanziell unterstützt, ebenfalls finanziell unterstützt wird die Arbeitsplatzanpassung.

      Timotheus schrieb:

      Mit dem persönlichen Budget im Arbeitgebermodell? Oder doch lieber als Auftraggeber?
      Wenn du es dir zutraust, dann lieber als Arbeitgeber.

      Kennst du die Liste mit den Kliniken in Deutschland, die Spinraza bei Erwachsenen anwenden?
      Liebe Grüße
      Sandra
    • Bin auch nach meinem Diplom in Wirtschaftswissenschaften zuhause ausgezogen und - wegen der Arbeit - in eine andere Stadt gegangen. Hab damals auch - trotz vergleichweise gutem Abschluss - mehrere Monate nach Arbeit suchen müssen ... ist leider ein bisschen schwieriger mit Handicap. Aber nicht unmöglich! Bin jetzt seit über 8 Jahren bei meinem Arbeitgeber.

      Würde mich an deiner Stelle nicht auf eine bestimmte Stadt festlegen. Schau einfah, wo du etwas findest! Wenn es dir da nicht gefällt, dann kannst du immer noch wechseln. Aber hauptsache du hast erstmal etwas und schaffst den Einstieg. Hab mich damals auch bundesweit beworben. Bin dann letztendlich im RHeinland gelandet. Hätte mich schlimmer treffen können ;)
    • Hallo Timo,
      da du offensichtlich flexibel (nicht an Frau u./ o. Kinder gebunden) bist, würde ich auf jeden Fall die Jobsuche und ein passendes Stellenangebot an die erste Stelle setzen. Auch mittelgroße Städte haben ihren Reiz und die Größe einer Stadt allein sagt nichts über deren tatsächlich vorhandene Barrierefreiheit, Wohn-, und Assitenzmöglichkeiten.
    • So, ich hab jetzt meinen Suchradius etwas ausgedehnt und mal ein paar Bewerbungen weiter weg geschickt.

      Habt ihr irgendwelche Erfahrungen oder Tipps, wie man eventuelle Vorstellungsgespräche organisieren könnte? Also insbesondere Anreise und Übernachtung. Hab bislang kaum Erfahrungen mit Reisen. Dazu kommt, dass ich viele große, unhandliche Hilfsmittel benötige.
    • Hi,

      Benötigst du die Hilfsmittel dringend, oder könntest du auch ein bis zwei Nächte darauf verzichten? Haben deine Eltern kein Auto und auch keine Zeit mit dir zum Vorstellungsgespräch zu fahren?
      Wenn du nicht zwingend auf die Hilfsmittel angewiesen bist, könntest du mit Begleitung mit der Deutschen Bahn fahren. Das funktioniert auch für Rollstuhlfahrer sehr gut. Benötigst du deine Hilfsmittel unbedingt, bleibt dir noch ein Fahrdienst für Behinderte, wie z. B. ASB, DRK, Malteser Hilfsdienste, Johanniter Unfallhilfe oder Taxiunternehmen, welche umgebaute Fahrzeuge besitzen. Die Fahrtkosten werden auf Antrag von der Agentur für Arbeit übernommen, eventuell sogar Hotelkosten. Das solltest du aber in Erfahrung bringen.

      Warst du schon zur Beratung bei der Agentur für Arbeit?
      Liebe Grüße
      Sandra
    • Anreise zahlt oft das einladende Unternehmen. Ansonsten bleibt noch die Möglichkeit der Arbeitsagentur. Am bequemsten ist natürlich ein Auto, aber Bahn wäre ja ggf. auch möglich.

      Hilfsmittel kannst du meistens auch vor Ort ausleihen. Bei mir werden die Kosten von der Krankenkasse/Pflegekasse übernommen. Hab berufsbegleitend in Münster studiert und mir Lifter und Dusch-/Toilettenstuhl ins Hotel liefern lassen.
    • Hi,

      eine Deku-Matratze wirst du nicht leihen können, weil das aus hygienischen Gründen nicht möglich sein wird. Eventuell würde ein Schaumstoffauflage aus Viscoelastischem Schaum eine Alternative schlafwelt.de/auflagen/topper/visco-topper/

      Ich habe folgende allnatura.de/visco-matratzenauflage-viscoplus.html und nehme sie immer mit wenn ich in einem anderen Bett schlafen muss. Höhenverstellbare Betten gibt's sehr selten in Hotels, manchmal findet man Ferienwohnungen die solchen Betten anbieten oder Sanitätshäuser damit beauftragen für die Zeit in der man dort gebucht hat, ein Pflegebett und weitere Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen. Leider muss man Ferienwohnungen meistens mindestens 3 Nächte buchen oder einen Aufpreis zahlen.

      Wahrscheinlich wirst du aber nur 1 Nacht übernachten, weshalb ich dir eher dazu rate, verzichtet für eine Nacht auf das Pflegebett und besorge dir einen Matratzentopper. Wenn es dann zu einer Probe Arbeit oder Praktikum kommen sollte, würde ich eine Ferienwohnung suchen und ein Sanitätshaus vor Ort beauftragen, ein Pflegebett zur Verfügung zu stellen. Den Matratzentopper verwendest du dann entweder auch dann oder musst deine Deku-Matratze mitnehmen.

      In welchen Städten hast du dich beworben? Vielleicht könnte ich dir bei der Suche nach Unterkünften schon etwas vorschlagen.
      Liebe Grüße
      Sandra